Draufsicht SchokoIm Mai 1981 besetze eine Gruppe mutiger Frauen* die ehemalige „Schokoladenfabrik Greiser und Dobritz“, die nach acht Jahren Leerstand zum Taubenschlag geworden war. Bereits im Jahr zuvor entwickelten sie aus der autonomen Frauen*bewegung heraus die Idee eines Frauenstadtteilzentrums in Kreuzberg und begutachteten die vielen leerstehenden Gebäude auf der Suche nach einem dafür geeigneten Haus. Es sollte ein Ort nur für Frauen* und Mädchen* geschaffen werden, in dem sie sich gegenseitig unterstützen und fördern können und die Möglichkeit bekommen, in einem gleichberechtigten und konkurrenzfreien Raum ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten auszuprobieren und zu erweitern. 

Heute sind solche Orte unverändert wichtig, leider aber gibt es kaum noch (leerstehende) Häuser, in denen Träume, wie die vor 40 Jahren, Wirklichkeit werden können.

 

Wir feiern den 40. Geburtstag der Schokofabrik!


damals Plenum

… und wollen in den nächsten Wochen an dieser Stelle mit regelmäßigen Beiträgen einen Einblick in die Zeit der Besetzung
und die vier Jahrzehnte seitdem geben, alle heutigen in der Schokofabrik ansässigen Vereine, Projekte und Gruppen und ihre Arbeit präsentieren und mit anderen (Haus-)Projekten und feministisch Aktiven ins Gespräch kommen. Dafür haben wir in Archiven gewühlt und Kontakt zu Ehemaligen aufgenommen, Bilder gescannt, Videos gedreht und Anekdoten gesammelt

Neben dem Geburtstags-Blog haben wir in der kommenden Zeit einige Veranstaltungen rund um unser Jubiläum geplant.
Teils werden diese online stattfinden. Möglicherweise erlaubt uns die Situation im Sommer aber auch ein Zusammenkommen vor Ort. Alles dazu ist immer aktuell auf der Veranstaltungsseite zu erfahren.

 

 

Zunächst aber geht es heute hinaus zum Internationalen Frauen*kampftag!8m2021 poster

"Our Life, our Resistance, break the Silence, break the System"

 

Aufruf

 
Wo?: Vertretung der Europäischen Kommision in Deutschland, Unter den Linden 78, 10117 Berlin
 
Wann?: 14.00 Uhr
 
Cis-Männer sind nicht eingeladen, ihnen wird geraten, eine andere Aktion zu planen, um Gewalt gegen Frauen* zu stoppen.

 

Im Treffpunkt ...


Ziemlich genau mit der Schokofabrik wird auch der „Treffpunkt" 40 Jahre alt. Der Ort wurde von türkeistämmigen Frauen* aus der Nachbarschaft gegründet und bietet seither neben allgemeiner schul- und ausbildungsbegleitender Unterstützung und Deutschunterricht auf kleiner Quadratmeterzahl viel Raum für Selbstorganisation, Spaß, Austausch, Dissens und Nähe. 

Unsere Angebote richten sich an:Bild 2 ohne comp

  • Mädchen* und Frauen* of Color, Schwarze Mädchen* und Frauen* sowie Mädchen* und Frauen* mit Flucht- oder Migrationsgeschichte
  • alle Personen, die sich selbst als Mädchen* oder Frauen* bezeichnen, so aufgewachsen sind oder von anderen so wahrgenommen werden


Ganz konkret sieht es im „Treffpunkt“ der Schokofabrik heute so aus, dass es vormittags einen kostenlosen Deutschkurs für erwachsene Frauen* gibt, der von regelmäßigen Ausflügen und Aktivitäten, Berufsorientierung und Sozialberatung begleitet wird. Nachmittags öffnen sich die Türen für Mädchen* und Frauen* zwischen 12 und 27 Jahren. Dann bieten wir kostenlose Nachhilfe in den Kernfächern der 7. – 13. Klasse und viele gemeinsame Unternehmungen wie Theater- und Museumsbesuche, Stadterkundungen und kleine Feiern an. Darüber hinaus können sich Besucherinnen* im Rahmen der Sozialberatung mit allen Fragen und Themen an uns wenden. Der „Treffpunkt“ ist bewusst auch ein Ort, den Besucherinnen* selbst gestalten, organisieren und an dem sie ihre Freizeit verbringen können.

Bayan Ali 

Bayan Ali 3

 

 

Es macht mir Spaß zusammen mit Frauen in der Schokofabrik zu zeichnen und zu malen. Ich habe unterschiedliche Maltechniken ausprobiert, wie Aquarell, Acryl und Monotypie. Für meine Grafikbilder habe ich nicht nur Bleistift, sondern auch Buntstifte, Kohle und Fineliner benutzt. Ich möchte weiter zeichnen und malen lernen und meine erste Ausstellung in der Schokofabrik machen.

 

 

 

 
 

Bayan Ali 1Bayan Ali 2

Bayan besucht regelmäßig den Lerntreff für Mädchen* und nimmt am Kunstkurs von Nouria Khadeeva teil.

Deutsch- und Integrationskurs für Frauen* mit Migrationsgeschichte und geflüchtete Frauen*

 

Von Beginn an gab es einen Deutsch- und Alphabetisierungskurs für Frauen* aus der Türkei in den besetzen Räumen des Frauenstadtteilzentrums, noch ehe diese bezugsfertig saniert waren.

Heute findet das Projekt "Deutsch- und Integrationskurs für Frauen* mit Migrationsgeschichte und geflüchtete Frauen" immer dienstags bis freitags von 9.00 bis 13.30 Uhr statt. Die Teilnehmerinnen* können nach zwei Jahren Unterricht die Niveaustufe A2/B1 erreichen und mit einer telc-Sprachprüfung abschließen. Der Unterricht wird begleitet von Ausflügen, Unterstützung bei der Berufsorientierung, Sozialberatung (Deutsch, Türkisch, Englisch), der Vermittlung von gesellschaftlichen und allgemeinbildenden Wissen und vielem mehr.
Leider ist auch der Deutsch- und Integrationskurs seit über einem Jahr von starken Einschränkungen betroffen und kein regulärer Unterricht möglich.
Der Kurs wird gefördert aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds und der Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung, Abteilung Frauen und Gleichstellung.

Hier ein etwas anderes Interview mit den Teilnehmerinnen* des Kurses 2019/2020 darüber, wer sie sind, wie sie in den Treffpunkt gekommen sind, was ihnen besonders gefällt, welche anderen Angebote der Schoko sie nutzen und was sie sich für den Unterricht und die Schoko wünschen.

 

 

Interview mit Chaibia (Mitarbeiterin im Hamam)

 

Lisa Seiler

Lisa Seiler

langjährigen Mitarbeiterin des Vereins


Hallo, ich bin Lisa Seiler. Ich war von 2006 bis 2014 als Projektkoordinatorin und Sozialarbeiterin in der Beratung tätig.

Ich habe mich sehr mit der Arbeit des Frauenzentrum identifiziert. Die Beratung von Lesben und Hetera-Frauen und die Projektarbeit hat mir viel Spaß gemacht. 

Beteiligt habe ich mich an folgenden Projekten: der Erneuerung der Webseite, Ausbau des heutigen Cafés Mariannenstraße, Projekt „36 Ladies“, Neujahrsempfängen, Sommerfesten, Kampagne 100 Genossinnen für die Schoko, Fete im SO36 zum 30-jährigen Jubiläum, Ausstellung der Schwarzen Schokolade im Frauenmuseum Bonn, Sprecherin im Berliner Frauennetzwerk BFN, Schaffung der Fraueninfrastrukturstelle im Treffpunkt, Öffnung der Räume für Selbsthilfegruppen, Psychosoziale Beratung als Angebot und Aufsichtsrat der Genossinnenschaft. 

Die Schoko hat meinen Blick für Gender-Themen und Rassismus geöffnet und mein Denken und Handeln dazu beeinflusst.

Beeindruckt hat mich die Ausstellung im Frauenmuseum Bonn der Künstlerinnen „Schwarze Schokolade“. Die Power und die Ideen der Frauen, die die Schoko besetzt haben, haben bei mir zu einer großen Identifikation mit der Schoko-Geschichte geführt. Der Hauskauf und die Gründung der Genossinnenschaft halte ich für die beste Aktion der Schoko zum langlebigen Erhalt des Frauenzentrums.

Aktuell nutze ich keine Angebote der Schoko, ich habe die Bildungsveranstaltungen und das Hamam  aber immer gerne besucht.

Ich wünsche der Schoko für die Zukunft, gleichberechtigte Machtverhältnisse unter den Bereichsleiterinnen und wertschätzenden Umgang miteinander, eine große Strahlkraft nach außen für Europas größtes Frauenzentrum, weiterhin ein gute Bildungsarbeit, Einmischung in aktuelle politische Themen und einen Fahrstuhl im Hof Mariannenstraße 6.

 

Grußbotschaft von Anja Kofbinger

(Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin und dort stellvertretende Vorsitzende der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen sowie Sprecherin für Frauen- und Queerpolitik)

 

Das Frauenkrisentelefon

Im Folgenden stellen wir unsere drei Projekte im Frauenkrisentelefon vor:

1. Telefonische Krisenberatung für alle Frauen und persönliche Beratung für Frauen mit Migrationshintergrund

Wir bieten telefonische Beratung für alle Frauen und persönliche Beratung für Frauen mit Migrationshintergrund in verschiedensten Krisensituationen an. 

Krisen können unterschiedliche Auslöser haben. Das können schwierige Lebenszeiten oder Lebensphasen sein, es können aber auch Krisen ganz spezieller Art sein, wie z.B. Stalking, Mobbing, Scheidung, Gewalt, etc. 

Jede Frau, die ein Bedürfnis hat über ihre individuelle krisenhafte Lage zu sprechen, ist herzlich willkommen! Wir beraten nicht nur, sondern vermitteln nach Bedarf Frauen auch weiter an spezifische Hilfsprojekte und/ oder Hilfsorganisationen.

Wir beraten nach Bedarf einmalig, bieten aber auch mehrmalige Reiheberatung an.

Unsere telefonischen Beratungszeiten:
Montag, Dienstag, Donnerstag 10.00 - 12.00 Uhr
Mittwoch 15.00 - 17.00 Uhr
Freitag 19.00 - 21.00 Uhr
Samstag und Sonntag 17.00 - 19.00 Uhr
unter +49 (0)30 / 615 42 43
Terminvereinbarung für die Beratung für Frauen mit Migrationshintergrund unter +49 (0)30 / 615 75 96 oder per SMS/ WhatsApp +49 (0)157 / 311 30 964

Unser Projekt lebt durch die Hilfe und Unterstützung unserer ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen. Dank ihres Engagements als Beraterinnen und Vorstandsfrauen kann das Frauenkrisentelefon weiter bestehen und aufrechterhalten werden.

Die Beraterinnen werden durch fortlaufende interne Fallbesprechungen und externe Supervision und Fortbildungen geschult.

 

2. Onlineberatung

Das Frauenkrisentelefon e.V. bietet seit 2012 Onlineberatung an.

Mit den sich verändernden Kommunikationsformen war und ist es uns wichtig den Ratsuchenden auch auf diesem Weg niedrigschwellige Unterstützung anbieten zu können:

Genau wie am Telefon anonym und ressourcenorientiert.

Über die datensichere Plattform von zone35 wird webbasierte Emailberatung und Einzelchatberatung nach Terminbuchung angeboten.

Ratsuchende können sich jederzeit an uns wenden und erhalten werktäglich Antwort.

https://frauenkrisentelefon.beranet.info

Viele Ratsuchende nutzen lieber schreibbasierte Beratungsangebote, sowohl auf deutsch als auch in den verschiedenen Muttersprachen, häufig auch in Situationen akuter häuslicher Gewalt.

Wir beantworten jede Anfrage, auch in jeder Sprache, dann mit Hilfe von Übersetzungsprogrammen, wie von pons.

 

3. Beratung für geflüchtete Frauen

Die Beratungsräume des Frauenkrisentelefons befinden sich im Hinterhof des Frauenzentrums Schokofabrik. Seit 2016 werden hier Frauen mit ihrer individuellen Flucht- und Migrationsgeschichte persönlich und muttersprachlich auf Persisch beraten.  

Aber was ist das überhaupt, psychosoziale Beratung? 

Wir stellen bei den Projektvorstellungen immer wieder fest, dass vielen Flüchtlingsfrauen das Konzept der Beratung unbekannt oder unklar ist. 

Den Frauen verständlich näher zu bringen, was das deutsche Gesundheits- und Hilfesystem zu bieten hat, dass diese Angebote auf Wunsch anonym und kostenlos sind, ist der erste Schritt der Begegnung. 

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass durch muttersprachliche  Beratung ein echtes Vertrauensverhältnis aufgebaut werden kann; anders verhält es sich, wenn eine dritte Person als Übersetzerin mit im Raum ist, was zu Unbehagen und Misstrauen führen kann. 

Zusammen mit den Frauen werden Lösungswege erarbeitet, die sie in ihrer aktuellen Situation unterstützen sollen.

Pandemiebedingt können die Beratungsgespräche z.Zt. leider nicht persönlich stattfinden. Ratsuchende können per What's App oder Telefonanruf einen Termin vereinbaren.

Wir haben sehr viele Anfragen und es finden zahlreiche Telefonate statt. 
Der Bedarf ist da und nimmt mit dem Bekanntwerden unseres Angebotes kontinuierlich zu. Die Frauen brauchen dringend Unterstützung!